Welche Architektur ist adäquat für ein Gebäude, das an die Gräuel des Nationalsozialismus erinnert? Beim Holocaust-Museum in Elsternwick, einem Vorort von Melbourne, machten Kerstin Thompson Architects Licht zu ihrem zentralen Entwurfsmotiv: Licht als Sinnbild der Bildung und Aufklärung für einen Neubau, den jährlich Hunderte von Schulklassen besuchen. Von außen ist das erst auf den zweiten Blick zu erkennen: Ein historisches Erkerfenster und eine mit Glas verschlossene Bogentür an der Ecke sind die einzigen größeren Öffnungen in der Straßenfassade. Den Rest der Fläche bedeckt ein Patchwork aus grauen Ziegeln und Glasbausteinen in unterschiedlichen Mauerwerksverbänden. Die Kombination alter und neuer Bausubstanz verweist auf die Geschichte des Museums: 1984 wurde es auf Privatinitiative in einer ehemaligen Apotheke aus dem frühen 20. Jahrhundert gegründet. 1999 entstand daneben ein Erweiterungsbau nach Plänen von SJB Architects.