Essay: Multihalle Mannheim

»Sehr geehrter Professor Otto! Mit Interesse haben wir in der Presse über Ihre Polarstadt unter Kunststoffkuppel gelesen. Da wir uns derzeit mit ähnlichen Fragen beschäftigen, dürfen wir Ihnen heute einmal unser Problem aufzeigen.« Mit diesen Zeilen beginnt ein offizielles Anschreiben an Frei Otto, verfasst von Werner Haas, einem der beiden Geschäftsführer der Bundesgartenschau Mannheim. Der Brief, auf den 21. Juni 1971 datiert, erreichte Frei Otto zu einem Zeitpunkt, als dieser mit Hochdruck an der Konstruktion der transparenten Dachlandschaft für das von Behnisch & Partner entworfene Münchner Olympiagelände arbeitet. Um mit Otto ins Gespräch zu kommen, hätte es also durchaus gereicht, sich auf das sich im Bau befindliche Prestigeprojekt zu beziehen — oder aber, angesichts der enormen internationalen Publicity, auf die Zeltdächer des Deutschen Pavillons zurückzukommen, die Otto mit Rolf Gutbrod für die Expo 67 in Montreal realisiert hatte. Stattdessen nennt Werner Haas in seinem Brief die sogenannte Stadt in der Arktis, einer vom Institut für leichte Flächentragwerke (IL) in Stuttgart durchgeführten deutsch-japanischen Forschungsstudie. Gemeinsam mit Kenzō Tange und den Ingenieuren von Ove Arup untersuchte Otto die Möglichkeit, mithilfe einer durch Unterdruck stabilisierten pneumatischen Großhülle eine Stadt für 40 000 Einwohner zu überdachen.