Technik: Armadillo Vault - Ein komplexes Gewölbe aus 399 Steinen

Das Motto »Beyond Bending« der Architekturbiennale 2016 in Venedig steht für die Logik druckbeanspruchter Formen, die nicht nur durch ihre expressive Formensprache gekennzeichnet sind, sondern auch durch ihre aus der Geometrie herrührende tragstrukturelle Effizienz. »Armadillo Vault« ist das zentrale Objekt dieses Ausstellungsbeitrags in der Corderie dell'Arsenale. Das unbewehrte Steingewölbe besteht aus 399 Kalksteinblöcken, die ohne mechanische Verbindungen oder Mörtel verbaut wurden (Abb. 1, 2). Das Steingewölbe überspannt eine Fläche von 75 m2 und verfügt über eine maximale Spannweite von mehr als 15 m bei einer Minimaldicke von nur 5 cm. Die bestehenden Stützen des denkmalgeschützten Gebäudes werden von zwei großen Gewölbeöffnungen umspielt (Abb. 3). Eine Öffnung wölbt sich einseitig nach unten zum zentralen Auflager. Diese Geste verstärkt die skulpturale Wirkung, sorgt vor allem aber durch die zusätzliche lokale Krümmung für eine erhöhte Stabilität (Abb. 4). Der Grundriss basiert auf einer Dreiecksform mit drei externen Auflagern aus Stahlblechen und einem internen Linienauflager aus Zugstangen. Die 20 mm dicken Stahlbleche sind so dimensioniert, dass sie das Gewicht des 23,7 t schweren Gewölbes gleichmäßig auf den sensiblen Boden abtragen, der maximal mit 600 kg/m2 belastet werden darf. Da eine Verankerung im Boden nicht möglich ist, wurde ein System aus Stahlzugstäben installiert, das den Horizontalkräften an den Auflagern entgegenwirkt. Die Zugelemente sind nicht unter einem Doppelboden versteckt, sondern offenliegend, um das visuelle Begreifen des Tragsystems zu ermöglichen.