- Barbara Zettel
Das nachhaltigste Gebäude ist das, das nicht gebaut wird, findet Mechthild Stuhlmacher. Darum haben KSA aus Rotterdam einen bestehenden Schulkomplex und drei daran angrenzende Hafenhallen im Cadix-Viertel von Antwerpen saniert und erweitert. Zusätzlich ergänzt ein neuer Gebäudeblock den Schulcampus mit Räumen, die für zeitgemäße Unterrichtsformen notwendig sind, im Bestand aber keinen Platz fanden. So ist der fast 100 Jahre alte Schulstandort für die Ausbildung in technischen und künstlerischen Berufen bereit für die Zukunft. Die alten und neuen Gebäude und ihre unterschiedlichen Typologien zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden, war dabei die Herausforderung. Den ältesten Teil des neuen Campus bildet der denkmalgeschützte Gebäudekomplex aus dem Jahr 1927. Ursprünglich war er für zwei Grundschulen und einen Kindergarten konzipiert. Die eklektisch gestalteten Sichtziegelbauten mit unterschiedlichen Dachformen, Geschosszahlen und Fassadenkompositionen gruppieren sich klosterartig um drei Innenhöfe. Korteknie Stuhlmacher renovierten die bestehenden Gebäude originalgetreu und bauten Elemente, die nicht dem ursprünglichen Entwurf entsprachen, zurück. Neu hinzugefügte Treppenhäuser und Aufzüge in den Vorder- und Rückgebäuden schaffen barrierefreie Zugänge. Den zentralen Hof ließen die Planenden unangetastet, in die beiden Außenhöfe setzten sie je eine leichte Holzkonstruktion mit auskragenden begehbaren Dächern und schlanken Stahlstützen - eine Referenz an die ursprünglichen Pergolen im Bestand. Der neue Baukörper im nördlichen Hof fungiert als großzügiger Eingangsbereich und verbindet das alte Schulgebäude über einen Durchgang mit den benachbarten Hafenhallen. Die vier parallel verbundenen Hallen aus dem Jahr 1938 wurden ursprünglich als Rekrutierungszentrum für Hafenarbeiter genutzt. Eine Stahlkonstruktion mit Polonceau-Bindern trägt die Satteldächer über den zweckmäßig gestalteten offenen Räumen. Während die südlichste der vier Hallen unsaniert blieb und weiter der Arbeitsvermittlung von Hafenarbeitern dient, bot es sich an, in den weitläufigen, hohen Räumen die Sporthalle, die Mensa und die Druckerei der Schule unterzubringen. Neue Öffnungen in den Bestandswänden lenken Licht und Luft in die ursprünglich dunklen Hallen. Das Dach der mittleren Halle wurde über eine große Fläche entfernt, um einen weiteren Innenhof zu schaffen. Aus allen drei Hallen führen große Flügeltüren nach Osten auf die Straße. Im sechsgeschossigen Neubau auf der gegenüberliegenden Seite haben Werkstätten und Ateliers der Schule ihren Platz.
