- Heide Wessely
Mosaiksteine aus Glas, dreieckige Fenster und die Drehung des kompakten Baukörpers, unter den sich ein gläserner Pavillon schiebt – all das macht das Gebäude der neuen Provinzverwaltung von Flandern unverwechselbar. Mit seinen 15 Geschossen und knapp 58 Metern Höhe ragt der Bau weit aus der Stadtsilhouette Antwerpens heraus und macht schon von Weitem auf sich aufmerksam. Platziert ist er in einem Park mit ausgedehnten Grünflächen, die von sanft geschwungenen Wegen durchzogen sind. Das war nicht immer so. Früher war der Amtssitz in einem Komplex aus modernistischen Gebäuden untergebracht, die das gesamte Gelände einnahmen. Ihre Sanierung wäre jedoch nach heutigen Nachhaltigkeitsstandards nicht möglich gewesen, außerdem lag ein Gebäude mit 71 m in der Einflugschneise des nahe gelegenen Regionalflughafens. Daher rief die Stadt 2011 einen Wettbewerb für einen kompakten Neubau in Passivhausstandard aus. Ziel war auch, in der dicht bebauten Innenstadtlage einen möglichst großen öffentlichen Park zu schaffen und die Autos unter die Erde zu verbannen. Zudem, das war die Krux, sollte ein einzelner, gläserner Pavillon aus den 1970er-Jahren erhalten bleiben. Aus diesem Grund ist das neue Gebäude wie eine Brücke konstruiert. Mächtige Stahlfachwerkträger zwischen den Aufzugskernen und in den Fassaden sind dafür nötig. Erst in einer späten Planungsphase stellte sich heraus, dass es wirtschaftlich nicht sinnvoll war, den Pavillon zu erhalten. Doch umgeplant wurde nicht mehr. Stattdessen entschieden Bauherren und Architekten, den Bestandsbau abzureißen und durch einen filigranen, gläsernen Neubau zu ersetzen. Darin sind die Kernfunktionen der Provinzverwaltung untergebracht: ein Kongresszentrum, das auch extern genutzt wird, und der im Grundriss parabelförmige Ratssaal. In den Etagen darüber liegen die Büros für 860 Menschen und 660 Arbeitsplätzen. Eigene Schreibtische gibt es nicht mehr, so wird der Raum effizient genutzt. Eine teilöffentliche Bibliothek im 11. und 12. Obergeschoss öffnet sich auf das Panorama der Stadt, die großflächige Terrasse auf dem Pavillondach bietet Ausblicke in den Park.
