Stadtverwaltung in Venlo

Abfall ist Nahrung — getreu diesem Motto formulierten der Chemieprofessor Michael Braungart und der Architekt William McDonough vor rund 15 Jahren das Cradle-to-Cradle-Konzept. Es zielt auf geschlossene Material-, Energie- und Wasserkreisläufe ab und stellt damit tradierte Denkmuster in Produktdesign und Architektur ebenso infrage wie etablierte Geschäftsmodelle vieler Unternehmen. Die ostniederländische Stadt Venlo hat sich dieses Prinzip früh zu eigen gemacht. Sie betreibt eine eigene Cradle-to-Cradle-Beratungsagentur und hat bereits mehrere Gebäude nach diesem Prinzip realisiert. Das jüngste und größte von ihnen beherbergt rund 600 städtische Angestellte sowie das zentrale Bürgerbüro der Stadt. Der Neubau von Kraaijvanger Architects steht an einer viel befahrenen Straßenkreuzung am westlichen Innenstadtrand, unweit des Ufers der Maas. Früher diente das Gelände als Parkplatz. Ein L-förmiger Sockelbau schirmt das südöstlich angrenzende Wohn- und Gewerbegebiet gegen die Verkehrswege im Norden und Westen ab. Darüber erhebt sich ein neungeschossiger Turm mit zwei sehr unterschiedlichen Fassaden. Die Südseite gliedern horizontale Bandfenster mit auskragenden Brise Soleils; die Nordfassade ist hingegen auf rund 2000 m2 Fläche begrünt. Die Pflanzen wurzeln in modularen, substratgefüllten Pflanztrögen aus Kunststoff und sollen nach Berechnungen der Ingenieure den Feinstaub aus 3000 m2 Straßenfläche binden. Eine über alle Bürogeschosse reichende Glasöffnung versorgt die Innenräume mit blendfreiem Tageslicht. Ansonsten ist die Nordfassade bis auf wenige schmale Fenster weitgehend geschlossen.

Stadtverwaltung in Venlo
Ansicht von Nordosten © Ronald Tilleman